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Kazakhstan – Kasachstan – Казахстан

Der Wilde Süden

Der wilde Süden

Schimkent, Turkistan und Otrar an der Seidenstrasse

Eine Fahrt in den Süden Kasachstan , über Taraz, Otrar, Schymkent nach Turkistan und eventuell weiter nach Kyzylorda kann dem Reisenden noch einige Überreste aus alten Zeiten, zurück bis in die Steinzeit zeigen. In Schymkent, der südlichsten Grossstadt Kasachstans gibt es auch im Winter selten
Frost, hier kann der beste Wein des Landes genossen werden und weil die Stadt so Nahe zur Grenze Usbekistans liegt ist auch der Charakter dieses Landes stark zu spüren, wild und würzig. In den vielen Schaschlyk-Ständen an der Strasse oder in den Dutzenden Cafés und Bistros kann man sich gut und preiswert verköstigen. Mit dem Auto kann man in die Stadt Otrar fahren, die eine der
berühmtesten Städte an der Seidenstrasse war. Historiker gehen davon aus, dass sie bereits im zweiten Jahrhundert vor Christus gegründet wurde, im zwölften Jahrhundert wurde die Stadt durch den Eroberungsfeldzug Dzhinghis Khans zerstört. Heute kann man sich die Mauerreste anschauen, welche einem die Grundrisse der ehemaligen Stadt verdeutlichen. In der Stadt Turkistan gibt es eine der bekanntesten islamischen Wallfahrtsstätten zu bewundern, die Grabmoschee für Hodzah Achmed Jassawi, eine der schönsten Bauten aus der Zeit der Timuriden (1363-1506). Die Moschee ist die grösste bis heute erhaltene freitragende Ziegelkuppel Mittelasiens. Wer diesen Ort gesehen hat, versteht auch die Faszination des kasachischen Südens. Inmitten der Steppe und nahe der Wüste Kyzylkum, wo das Blau des Himmels mit den verschiedenen Brautönen der Erde bezaubernd verschmelzen, steht die riesige Moschee Die mit Ornamenten übersäten Kacheln haben eine hypnotische Wirkung auf das Auge. Wer genauer hinsieht, wird auch all der kleinen Unterschieden und Variationen in den Mustern gewahr. Die Bevölkerung im Süden lebt noch stärker mit den
alten Traditionen, als vielerorts sonst in Kasachstan.

Die verschiedenfarbigsten Kleider, getragen von den Kasachstanerinnen, können bewundert werden. Auch Kamele wird man sehen können, sie sind zwar nicht in ihrer

wilden Form vorhanden, eher vergleichbar mit den Kühen in der Schweiz dienen sie als Nutztiere, unter Anderem liefern sie auch die sehr beliebte Kamelmilch. Wer ein Gefühl davon bekommen möchte, wie es vermutlich zur Zeit der Seidenstrasse zu und her gegangen ist, sollte unbedingt an den Bazar in Turkistan gehen, dort herrscht vom frühen Morgen bis am späten Abend ein reges Treiben. Es wird gehandelt, abgewogen, geflucht, diskutiert, getuschelt, gestikuliert und Geschäfte werden abgeschlossen. An einem Tor mit Eisenstangen verstärkt beginnt der Basar, er führt erst über eine schmutzige Strasse gerade aus, immer wieder kommen einem starke junge Männer mit Paketen auf den Schultern entgegen, oder sie ziehen lottrige Wagen mit kiloweise Nahrungsmitteln hinter sich her. Links und rechts beginnen die hölzernen Marktstände, meist nur behelfsmässig zusammengezimmert. Schön aufgeschichtet präsentieren sich dem Besucher und Käufer Berge von Früchten (Dörrfrüchte aller Art, Äpfel, Birnen, Melonen, Aprikosen…). Nun geht es in kleinen Gässchen zu den geschlossenen Basarräumen, der Erste ist den Fleisch und Milchprodukten vorenthalten. In einer hundert Meter langen Halle riecht es nach frischem Fleisch und den lokalen Käselaiben. Mit dem Fleischermesser schneidet der Verkäufer für den Kunden direkt die gewünschten Stücke ab und verpackt sie. Wieder draussen folgt ein Stand dem andern mit Dutzenden aufeinandergeschichteter Brote, Berge von Gewürzen feinsäuberlich auf Russisch angeschrieben, Haufen mit getrockneten Früchten, von denen einen die Verkäuferinnen gerne auch kosten lassen. Dazwischen immer wieder der Geruch von gebratenem Fleisch, das an den
unzähligen Schaschlikständen feilgeboten wird und unbedingt versucht werden sollte. Auch wer der Sprache, dem Russischen oder Kasachischen nicht gewachsen sein sollte, wird mit den Menschen unweigerlich in Kontakt kommen. Die Kasachen sind aussergewöhnlich gastfreundlich und offen, auch Ausländerinnen und Ausländern gegenüber.

Von Turkistan aus kann man gut mit der Bahn zurück nach Almaty fahren, auf der Turksib, welche 1930 an die Transsibirische Eisenbahn angeschlossen wurde. Generell kann man in Kasachstan mit der staatlichen Eisenbahn auf einem Netz von 13400 Kilometern in beinahe alle Gegenden des Landes fahren. Wer sich schneller fortbewegen möchte kann selbstverständlich auch per
Flugzeug in die grösseren Städte des Landes gelangen. Air Astana ist da eine zuverlässige Fluggesellschaft, mit einer vergleichsweise „neuen“ Flotte.

Zurück zur Fahrt mit der Eisenbahn: Die Aussicht auf die hügelige Landschaft, welche am Reisenden vorbeizieht, später die Steppe mit ihren unterschiedlichen Gelb-,Braun-und Rottönen hat zusammen mit dem gleichmässigen Rattern der Waggons etwas Meditatives und ist insgesamt ein unvergessliches, fast psychedelisches Erlebnis. Vor allem weil die Zugfahrten wegen der grossen Abstände zwischen den Städten auch gerne einmal 20 Stunden dauern können. Dann gibt es
aber Schlafwagen und eine Reservation ist nötig. Wer sich länger im Zug befindet, erkennt, dass da ein ständiges Hin und Her um einen herum vonstatten geht: Der Teeverkäufer in der hinteren Ecke des Zuges steht vor seinem Samowar und feuert mit Kohle, damit ständig warmes Wasser zur Verfügung steht, die Verantwortliche für die Sauberkeit wischt den Gang vor den Abteilen und
verteilt nach Wunsch Kissen, Decken und Leintücher. Später gibt es Fischverkäufer, Zeitungsverkäufer und hin und wieder ein paar betrunkene junge Männer, die laut johlend auf sich aufmerksam machen. Dem Reisenden wird von den Abteilnachbarn oft ein Stück Brot, Käse oder Wodka offeriert. Mit den anschliessenden Gesprächen, welche auch ohne grosse Sprachkenntnisse
zustande kommen – dafür mit umso mehr Gesten – verläuft die Fahrt mehr oder minder kurzweilig.
Morgens fährt der Zug durch lange Siedlungen mit einstöckigen Häusern, später am Industriequartier vorbei Richtung Almaty. Am „Wagsal twa“ , dem zweiten Bahnhof in Almaty fährt der Zug ein und der etwas müde Reisende kann durch das imposante Bahnhofgebäude, welches mit viel Marmor dekoriert ist , auf den grossen Platz hinauslaufen.

Quellenangaben: Der Text stammt von Rafael Wiedenmeier

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